NordLB-Analyst Bernd Krampen beschäftigt sich in der aktuellen „Strategy View“ seines Hauses mit der Rotation der stimmberechtigten FED-Gouverneure im FOMC (Federal Open Market Committee) in den kommenden Jahren und deren Auswirkungen auf die Geldpolitik. Wie in jedem Jahr findet auch zu diesem Jahreswechsel ein Austausch von Mitgliedern im FOMC statt. Immerhin vier von zwölf Mitgliedern werden durch andere Notenbanker ersetzt. Damit könnte ab Januar ein Drittel der Stimmberechtigten im Gremium auf den FOMC-Sitzungen anders abstimmen, als dies bisher der Fall war. Da auch in den folgenden Jahren eine Rotation im FOMC vorgenommen wird, kann anhand der jeweiligen Zusammensetzung bereits jetzt abgeschätzt werden, in welchem Jahr eine Mehrheit für einen ersten Zinsschritt am wahrscheinlichsten werden könnte.

Rotation der regionalen Notenbankpräsidenten

Traditionell gibt die Federal Reserve bereits mehrere Jahre im voraus bekannt, welche vier Präsidenten der zwölf regionalen Notenbanken als stimmberechtigtes Mitglied in das FOMC entsendet werden. Derzeit stehen bereits die Zusammensetzungen für die Jahre 2012 bis 2015 fest. Während der Präsident der Notenbank von New York jedes Jahr im Gremium bleibt, rotieren die restlichen elf regionalen Notenbankpräsidenten nach einem festgelegten Plan. Im Gegensatz zu den regionalen Notenbankpräsidenten sind die sieben Governors gleich für mehrere Jahre in das Gremium gewählt, so dass mit ihnen über einen längeren Zeitraum zu rechnen ist.

Einteilung der Notenbanker in Tauben und Falken

Ziel der Federal Reserve ist eine möglichst niedrige Arbeitslosenquote bei gleichzeitig niedriger Inflationsrate. Da diese beiden Ziele zumeist im Konflikt stehen können, tendieren einige Notenbanker eher dahin, dem Ziel hoher Beschäftigung, andere Notenbanker dem Ziel niedriger Inflationsrate eine höhere Bedeutung beizumessen. Jeder Notenbanker darf seine persönliche Meinung im Gremium vertreten. Vergangene Äußerungen und Entscheidungen liefern für die Öffentlichkeit wichtige Anhaltspunkte, wie sich diese Person in Zukunft verhalten dürfte. Traditionell werden Notenbanker grob in drei Kategorien eingeteilt: Wird zur Unterstützung der Konjunktur und einer Senkung der Arbeitslosenquote eher ein niedrigerer Zins zugelassen, spricht man von einer geldpolitischen Taube (Dove – dovisch). Wird zur Bekämpfung einer zu hohen Inflationsrate schneller für eine Anhebung des Leitzinses plädiert, spricht man von einem geldpolitischen Falken (Hawk – hawkish). Notenbanker, die diesen Kategorien nicht eindeutig zugeordnet werden können, gelten als neutral.

Teilt man die FOMC-Mitglieder diesen Einschätzungen nach ein, ergeben sich bei Betrachtung der zwölf FOMC-Mitglieder im Verlauf der Jahre teilweise unterschiedliche Tendenzen, wie sich die Mehrheit wohl verhalten dürfte. In einigen Jahren schlägt das Pendel damit tendenziell eher in Richtung einer expansiveren, in manchen Jahren eher in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik. Während die sieben Governors zusammen mit dem Fed-Präsidenten von New York über mehrere Jahre eine Konstanz ins Gremium bringen (sofern sich ihre Einstellungen nicht gravierend ändern), kann der jährliche Austausch der regionalen FED-Präsidenten immer wieder eine abrupte Änderung der grundsätzlichen Mehrheitsbildung innerhalb des Gremiums mit sich bringen.

Einschätzung des FOMC in 2012

Werden die zwölf FOMC-Mitglieder vereinfacht in die fünf Kategorien von extrem dovish bis extrem hawkish eingestuft, ergibt sich für 2012 das Bild, dass abgesehen vom ständigen „Abweichler“ Jeffrey Lacker die Notenbanker im FOMC tendenziell dem neutralen oder dem Lager der geldpolitischen Tauben zuzuordnen sind. Dabei ist erkennbar, dass die Governors überwiegend neutral zu sein scheinen bzw. sich zumeist der Meinung Ben Bernankes anschließen. Den FED-Präsidenten hat die NordLB etwas wohlwollend als neutralen Vertreter eingestuft, wenngleich es dazu sicherlich auch andere Meinungen gibt. Sollte sich Bernanke noch mehr in Richtung expansiver Geldpolitik tendieren, muss man ihn – und mit ihm vermutlich dann auch die Mehrheit der Governors – in die Kategorie der geldpolitischen Tauben einordnen. Bei der Betrachtung der vier regionalen, rotierenden Fed-Präsidenten (also exklusive des New Yorker Fed-Präsidenten) ist für 2012 eine in der Summe nahezu neutrale Position anzunehmen.

Frei Hand für Bernanke 2013 wahrscheinlich

Für den zum Jahreswechsel 2012 / 2013 vorgenommenen Austausch muss dagegen eine Tendenz hin zu einer noch expansiveren Ausrichtung des FOMC angenommen werden. Vor allem die hinzu gekommenen regionalen Fed-Präsidenten Charles Evans und Eric Rosengren gelten als extrem dovish eingestellt, was sich in ihren öffentlichen Äußerungen widerspiegelt. Mit der sogenannten 7/3-Regel hat sich Evans zudem als einer der ersten Notenbanker für die derzeit stark diskutierte Angabe von Schwellenwerten (Arbeitslosenquote, Inflationsrate) bei der geldpolitischen Ausrichtung ausgesprochen. Auch Rosengren hat dazu eine dezidierte Meinung. Beide sind also als Vorreiter dieser expansiven Strategie anzusehen. Ohne Jeffrey Lacker dürfte damit in 2013 auch die Zeit eines ständigen Abweichlers im Gremium (vorübergehend) vorbei sein. Damit dürfte Bernanke in 2013 noch mehr freie Hand zum Handeln haben als es bereits in 2012 der Fall gewesen ist. Fazit. Die geänderte Zusammensetzung des FOMC in 2013 spricht für eine anhaltend expansive Geldpolitik auch im kommenden Jahr. Dies könnte sicherlich für die Assetklassen Aktien und Rohstoffe ein unterstützendes Element sein.

Veränderungen des FOMC in den Jahren 2013 bis 2015

Auch wenn noch einige Monate ins Land gehen werden, lohnt sich bereits ein Blick auf die Tendenzen der folgenden Jahre. So hat es derzeit den Anschein, dass sich im Jahr 2014 eine Umkehrung des Bilds von 2013 ergeben könnte: In 2014 sind erneut die dem Lager der geldpolitischen Falken zuzuordnenden Notenbanker Richard Fisher, Narayana Kocherlakota und Charles Plosser als stimmberechtigte Mitglieder im FOMC vertreten, die sicherlich wieder eine Position für eine restriktivere Geldpolitik einnehmen werden. Das dürfte die Aufgabe für Ben Bernanke sicherlich nicht leichter machen, sollte er ab Januar 2014 überhaupt noch Präsident der Federal Reserve sein und nicht bereits einen Nachfolger / Nachfolgerin haben. Der möglichen Neubesetzung der Position des Präsidenten käme in 2014 damit bereits eine große Bedeutung zu: Ein restriktiverer eingestellter Präsident als Bernanke könnte dann bereits zusammen mit dem Trio der geldpolitischen Falken (und den eher auf der Linie des jeweiligen Präsidenten stehenden Governors) eine geldpolitische Wende einläuten.

Kommt es 2014 zur geldpolitischen Wende?

Sollte sich die Konjunktur bereits positiver darstellen, wäre damit frühestens in 2014 – dann aber bereits mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit – ein Schritt in Richtung geldpolitischer Wende möglich. Sollte in 2014 aber die derzeitige Vize-Präsidentin Janet Yellen den Präsidentenstuhl übernehmen, worauf derzeit einiges hinzudeuten scheint, wäre auch in 2014 nicht mit einer geldpolitischen Wende zu rechnen.

2015 sind wohl wieder die Tauben am Zug

Dieses mögliche Fenster einer tendenziell möglicherweise etwas weniger expansiven Geldpolitik könnte sich in 2015 aber ohnehin bereits wieder merklich schließen, denn dann werden Fisher, Kocherlakota und Plosser nicht mehr über die Zinsen mitentscheiden.

Fazit

Die bereits feststehenden Rotationen der Mitglieder des FOMC ermöglichen eine Annahme über die zu erwartende Tendenz bei der geldpolitischen Ausrichtung. Während für 2013 die Notenbanker im FOMC mehrheitlich dem Lager der geldpolitischen Tauben zuzuordnen sind, könnte in 2014 die Möglichkeit einer restriktiveren Tendenz gegeben sein. Viel wird dann aber auch von dem Posten des Präsidenten abhängen, da dann Bernanke möglicherweise bereits von seinem Nachfolger / Nachfolgerin abgelöst sein kann. In 2015 scheint die Rotation ohnehin eher wieder in Richtung einer tendenziell expansiven Geldpolitik zu deuten.

Quelle: http://www.institutional-money.com

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