Covered Bonds – Von Brödle (Plätzchen) und Pfandbriefen

Vor allem in der Vorweihnachtszeit kann man auf zahlreichen Weihnachtsmärkten, aber auch zu Hause weihnachtliche
Gerüche genießen. Der Duft frischer Plätzchen zieht durch das Haus. Weihnachtslieder erklingen im Raum. Ein in süddeutschen Gefilden beliebtes Gebäck sind Linzer Plätzchen. Qualitativ hochwertige Himbeermarmelade umhüllt und geschützt von einem leichten Mürbeteig. Die Parallelen zum Aufbau eines Pfandbriefs sind unübersehbar. Bevor es zur Verwertung des Deckungsstocks (im Falle der Linzer Plätzchen der Himbeermarmelade) kommt, geht dem zunächst die Insolvenz des Emittenten voraus (also die Aufzerrung des Mürbeteigmantels). Voraussetzung für die erfolgreiche Emission eines Pfandbriefs und für die Annahme durch den Investor, ist vor allem ein starker Rechtsrahmen, also ein stimmiges Rezept, welches das Gelingen garantiert. Rezept für deutsche Pfandbriefe Im Folgenden soll auf die Zubereitung eines deutschen Pfandbriefs näher eingegangen werden. Das Rezept ist für eine (Emissions-)Masse von 1 Mrd. EUR ausgelegt:
Zutaten:
Für den Emittenten:
1x schriftliche Erlaubnis der BaFin
25x 1 Mio. EUR Kernkapital
1x Erlaubnis Kreditgeschäft zu betreiben
1x Regelungen und Instrumente zur Steuerung, Überwachung und Kontrolle des Deckungsstocks
1x Geschäftsplan der regelmäßiges und nachhaltiges Betreiben des Pfandbriefgeschäfts belegt
1x organisatorischer Aufbau und Ausstattung des Kreditinstitutes, der Pfandbriefemission und Vergabe von Finanzierungen Rechnung trägt

Für die Deckungsmasse:
– mind. 1,02 Mrd. EUR deckungsfähige Forderungen –> hierbei ist es Ihnen überlassen, ob Sie Forderungen aus Hypotheken- finanzierungen, öffentlichen Finanzierungen, Schiffsfinanzierungen oder Flugzeugfinanzierungen verwenden
– ausreichend Liquidität zur Deckung von Ansprüchen, die innerhalb der nächsten 180 Tage fällig werden
Zubereitung:
Bevor Sie mit der Zubereitung des Pfandbriefes beginnen, sollten Sie sich bewusst sein, dass ein Vorgehen nur unter Mithilfe weiterer Parteien möglich ist. Hier sollten Sie zunächst bei einem Mitarbeiter der BaFin belegen, dass Sie die nötigen Voraussetzungen und Kenntnisse zur Umsetzung Ihres Vorhabens besitzen. Danach bitten Sie um eine schriftliche Erlaubnis. Außerdem müssen Sie sichergehen, dass Sie ausreichend liquide Mittel vorrätig haben. Als Grundstock sollten hier die angegebenen 25 Mio. EUR Kernkapital zunächst vollkommen ausreichen. Neben der Erlaubnis der BaFin ist es auch wichtig, sich eine Erlaubnis zum Betreiben von Kreditgeschäften einzuholen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Ihre Füllung, also Ihr Deckungsstock, ausreichend mit qualitativ hochwertigen Materialien ausgestattet ist. Im Anschluss fügen Sie bitte nach und nach die weiteren vermerkten Zutaten zur Ausstattung Ihres zukünftigen Emittenten hinzu. Nun haben Sie den Grundstock gelegt, der den Deckungstock umrahmt und einen ersten Schritt zur vollständigen Zubereitung Ihres Pfandbriefes darstellt. Ähnliches Vorgehen kennen Sie sicherlich auch aus der Zubereitung des Grundteigs für die Linzer Plätzchen. In einem nächsten Schritt kümmern Sie sich um die Füllung des Deckungsstocks. Bitte achten Sie hierbei darauf, nur Zutaten zu verwenden, die höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Dabei ist es Ihnen überlassen, ob Sie Hypothekenforderungen, öffentliche Forderungen, Forderungen aus Schiffsfinanzierungen oder Forderungen aus Flugzeugfinanzierungen verwenden. Die derzeit beliebteste Zubereitungsweise sind die beiden erstgenannten Füllungen. Um bestimmte Transparenzkriterien im Zubereitungsprozess sicher zu stellen und eine genaue Zuordnung zu gewährleisten,tragen Sie bitte sämtliche Zutaten für die Füllung in eine Akte ein. Diese nennen Sie am besten Deckungsstockregister. Damit Ihre zukünftigen Kunden stets die Erträge aus Ihren Pfandbriefen genießen können, ist es wichtig, dass Sie immer genügend Liquidität vorhalten. Hier schauen Sie bitte, dass der Vorrat für 180 Tage ausreicht. Gelegentlich kann es sein, dass im Laufe der Zeit ein Teil der Füllmasse nicht mehr genießbar ist. Für einen Ausgleich kalkulieren Sie hier bitte mindestens 2 % an Mehrvolumen ein. Zur Überwachung des Zubereitungsprozesses ist neben den genannten Institutionen eine weitere Person von Nöten. Kennen Sie zum Beispiel einen Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer, können Sie diesen fragen, ob er innerhalb Ihres Zubereitungsprozesses nicht die Rolle als Treuhänder einnehmen möchte. Er muss den Prozess der Füllung Ihres Deckungsstocks überwachen und auch darauf achten, dass jede Zutat in Ihr neu angelegtes Deckungsstockregister eingetragen ist.

Er ist somit für den Kern Ihres zukünftigen Pfandbriefes und die vorschriftsmäßige Erstellung verantwortlich. Außerdem sorgt er auch dafür, dass Ihr Produkt in Umlauf gebracht wird. Um Ihre Kunden stets von der Werthaltigkeit Ihres Pfandbriefes zu überzeugen, ist die Einhaltung bestimmter Transparenzkriterien von Nöten. Gehen Sie hier insbesondere auf die Qualität und Zusammensetzung der Füllung ein. Diese veröffentlichen Sie bitte in einem Report. Nennen Sie ihn doch einfach ganz passend Deckungsstockreport. Wenn Sie alle obigen Punkte erfolgreich bewältigt haben, steht Ihrem zukünftigen Pfandbriefgeschäft nichts mehr im Wege. Probieren Sie es aus, gerade der deutsche Pfandbrief ist sehr beliebt bei Investoren. Bitte Beachten Sie, dass bei der Zubereitung gemäß dem vorliegenden Rezept kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht. Sollte Ihnen die Umsetzung zu herausfordernd sein, oder verschiedene Zutaten nicht bereit stehen, dürfen Sie auch gerne das Originalrezept für Linzer Plätzchen ausprobieren. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Genuss der „Brödle“ (schwäbisch für Plätzchen).
Karsten Rühlmann

Quelle: LBBW

Schreibe einen Kommentar